Alte Freunde, Immunregulation und Stressresistenz

26. November 2018

18:30 Uhr
O 25 Hörsaal 3 (H3) der Uni Ost

studium generale
Ringvorlesung: „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Dialog“

Prof. Dr. Stefan Reber
Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsklinikum Ulm

Obwohl die Prävalenz von mentalen Erkrankungen
kontinuierlich ansteigt, sind die zugrundeliegenden
Mechanismen noch weitgehend unverstanden.
In den vergangenen Jahren häuften sich jedoch
die Hinweise dafür, dass eine stressassoziierte
Immunaktivierung und die daraus resultierende
chronische niedrig-schwellige Entzündungsreak-
tion eine kausale Rolle bei der Entstehung dieser
stressbedingten Erkrankungen spielen könnte.
Die Vorfahren des heutigen Menschen lebten ca.
2 Millionen Jahre lang als Jäger und Sammler und
waren während dieser Zeit von zahllosen Mikroor-
ganismen umgeben. Die “Old Friends”-Hypothese
geht davon aus, dass diese Mikroorganismen
eine gewisse Immuntoleranz induzieren und
somit verhindern konnten, vom Immunsystem des
Menschen angegriffen zu werden. Weiterhin geht
diese Hypothese davon aus, dass es im Lauf der
Evolution durch die fortschreitende Urbanisierung
und damit einhergehende Maßnahmen zu einem
verringerten Kontakt mit diesen “alten Freunden”
gekommen ist, was schließlich zu immunregulato-
rischen Defiziten führte. Die Folge davon ist, dass
das Immunsystem häufig gegen harmlose Umwelt-
antigene und körpereigene Antigene vorgeht, aber
auch bei psychosozialem Stress überreagiert und
bei wiederkehrenden Stressoren in einer chroni-
schen niedrig-schwelligen Entzündungsreaktion
resultiert.