Das Kreuz mit dem Kreuz – Wie kann die interdisziplinäre Wirbelsäulenforschung helfen?

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13. Januar 2020

18:30 Uhr
O 25, Hörsaal 2 (H2) der Uni Ost

Humboldt-Studienzentrum

Wissenschaftliche Vorträge

apl. Prof. Dr. Hans-Joachim Wilke
Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik Zentrum
für Traumaforschung Ulm

Das Kreuz mit dem Kreuz – Wie kann die interdisziplinäre Wirbelsäulenforschung helfen?

Keine Erkrankung beeinträchtigt das Leben in der Summe weltweit mehr als Rückenschmerzen bei einer steigenden Anzahl von Neuerkrankungen. Bandscheibenerkrankungen sind in 40% der Fälle für Rückenschmerzen verantwortlich, betroffen sind ca. 280 Mio. Europäer. Die volkswirtschaftlichen Kosten werden EU-weit auf jährlich ca. 240 Mrd. Euro geschätzt und übersteigen damit die Kosten aller anderen Volkskrankheiten. Weitere Ursachen von Rückenschmerzen sind Veränderungen der Wirbelgelenke, Osteoporose, Wirbelsäulenverkrümmungen, Wirbelsäulen- verletzungen oder Tumoren. Während bis vor einigen Jahren krankhaft veränderte oder verletzte Wirbelsäulenabschnitte häufig versteift wurden, sucht man heute verstärkt nach Verfahren, die die Bewegung im betroffenen Segment erhalten: flexible Fixationsverfahren, Bandscheibenprothesen, Implantate für die kleinen Wirbelgelenke oder neue Verfahren zum Erhalt der Bandscheibenstrukturen. Große Hoffnungen werden für die Zukunft auf biologische Therapielösungen zur Regeneration der Bandscheibe gesetzt. Mit Hilfe der künstlichen Intelligenz wird versucht, zukünftig die entsprechenden Patienten für die richtige Therapie zu identifizieren. Es wird häufig angenommen, dass viele Wirbelsäulenprobleme durch falsche bzw. durch zu hohe Belastungen der Wirbelsäule ausgelöst werden. Messungen der Wirbelsäulenbelastung zeigen jedoch Ergebnisse, die mittlerweile zu einem Umdenken in der Behandlung von Rückenschmerzpatienten und in der Rehabilitation von frisch operierten Wirbelsäulenpatienten. Auch in der Ergonomie werden neue Konzepte für Stühle sowie Sitze für Nutzfahrzeuge oder Passagierfahrzeuge umgesetzt.