Film ab für den Dies academicus

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Preisverleihungen und Jahresrückblick auf dem Bildschirm

Zum Video digitaler Dies academicus 2021
 

Hinter den Kulissen des digitalen Dies academicus

Die Universität Ulm hat ein größtenteils virtuelles Wintersemester mit dem ersten digitalen Dies academicus beschlossen. Im Online-Festsaal wurden insgesamt sieben Preise verliehen. Mitarbeitende der Universität Ulm hatten die Ehrungen unter Beachtung der coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln aufgezeichnet. Erstausstrahlung des virtuellen Dies academicus war am Freitag, 5. März. Moderiert hat die Festveranstaltung Dana Hoffmann, bekannt von Poetry- und Science-Slams im Ulmer Kulturzentrum Roxy.

„Ich heiße Sie herzlich willkommen zum Festakt des Dies academicus der Universität Ulm 2021. Wir alle kennen die momentane  Situation, so dass dieser Festakt nicht in Präsenz im Hörsaal stattfindet, sondern in virtueller Form zu Ihnen nach Hause kommt“, begrüßte Universitätspräsident Professor Michael Weber die Zuschauerinnen und Zuschauer an den Bildschirmen. Obwohl die Coronavirus-Pandemie das Campusleben seit geraumer Zeit einschränkt, überbrachte Präsident Weber in seinem Jahresrückblick Erfolgsmeldungen. Trotz digitaler Lehre bewegt sich die Studierendenzahl weiterhin jenseits der 10 000er Marke. Mit der kürzlich erhaltenen Systemakkreditierung bringt die Universität derzeit sogar neue Masterstudiengänge auf den Weg – darunter „Künstliche Intelligenz“ und „Mathematical Data Science“.

Mit 123 Millionen Euro konnte Weber für 2020 einen neuen Drittmittel-Rekord vermelden. Anteil an diesem neuen Höchststand hat zum Beispiel eine dritte Förderperiode des Leukämie-Sonderforschungsbereichs, ausgestattet mit 11 Millionen Euro. Weitere Erfolge umfassen einen hochkarätigen ERC Consolidator Grant für den Chemiker Professor Carsten Streb und das Zukunftscluster QSens im Bereich Quantentechnologie, das gemeinsam mit der Universität Stuttgart eingeworben wurde. Darüber hinaus konnte 2020 die Zusammenarbeit mit der Helmholtz-Gemeinschaft ausgebaut werden. Neben dem Ulmer Standort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und dem DLR-Institut für Quantentechnologien (DLR-QT) wird ein weiteres Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zum Thema sichere KI-Systeme in St. Augustin und Ulm eingerichtet.

Digitaler Preisregen beim Dies academicus

Beim virtuellen Dies academicus erhielten sieben Nachwuchsforschende sowie etablierte Wissenschaftler Auszeichnungen für hervorragende Leistungen in Forschung und Lehre.

•    Bereits seit den 1990-er Jahren wird der mit 8000 Euro dotierte Franziska-Kolb-Preis zur Förderung der Leukämieforschung an vielversprechende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben. Der diesjährige Preisträger, Dr. Philipp Rößner, forscht am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zu immunbiologischen Mechanismen bei Blutkrebserkrankungen. Zudem beeindruckt der 29-Jährige mit hochrangigen Publikationen zur Krebsforschung und insbesondere zur häufigen Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL). „Mit seinen Forschungsarbeiten hat Philipp Rößner entscheidend dazu beigetragen, Veränderungen im T-Zellkompartiment bei der CLL und ihre Relevanz für therapeutische Fragestellungen aufzuklären“, betonte der Laudator Professor Hartmut Döhner, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III. Rößners Ergebnisse seien im Hinblick auf innovative Therapieformen wie CAR-T-Zellansätze über die CLL hinaus von Bedeutung.

•    Uni-Präsident Weber übergab gleich zwei Kooperationspreise Wissenschaft-Wirtschaft – jeweils dotiert mit 4000 Euro. Ausgezeichnet wurde Professor Christian Bolenz, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Ulm für Urologie und Kinderurologie, für seine Zusammenarbeit mit der Firma Thericon GmbH und der Klinik für Urochirurgie der Universitätsmedizin Mannheim. Gemeinsam haben die Partner aus Wissenschaft, Klinik sowie Wirtschaft eine neuartige endoskopische und chirurgische Bildgebungstechnik für die Krebsfrüherkennung entwickelt. „Bei der multispektralen Echtzeit-Bildgebung werden mehrere Lichtwellen gleichzeitig und im gleichen Bild für das menschliche Auge sichtbar, was die Tumorerkennung erleichtern kann“, erklärte Bolenz.
Der zweite Kooperationspreis ging an Professor Manfred Reichert, Leiter des Instituts für Datenbanken und Informationssysteme, der mit der Firma Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG zusammenarbeitet. Im Zentrum des Projekts der Uni-Informatiker mit dem Laupheimer Spezialisten für Pharma-Verpackungen steht die Digitalisierung von Arbeitsprozessen. Durch die intelligente Erfassung, Analyse und Nutzung von Sensordaten sollen das Monitoring und die vorausschauende Wartung von Maschinenlinien im Sinne von Industrie 4.0 gelingen. Im Projekt spielt auch die Mensch-Maschine-Interaktion eine Rolle – unterstützt durch den Einsatz von Datenbrillen und Augmented Reality.

Von exzellente Forscherinnen zum Supermikroskop SALVE

•    Erstmals vergeben worden ist der ExzellenziaUlm-Forschungspreis für exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen der Universität Ulm, dotiert mit 5000 Euro. Unter acht nominierten hochklassigen Forscherinnen wurde PD Dr. Clair Hartmann ausgewählt, Mitarbeiterin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Ulm. „Die Preisträgerin erfüllt die Vergabekriterien in ganz herausragender Weise: zum einen das Kriterium der wissenschaftlichen Exzellenz und zum zweiten die Vorbildfunktion für jüngere Nachwuchswissenschaftlerinnen durch die besonders stringente Verfolgung ihres Karrierewegs“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Ulm, Professorin Susanne Biundo-Stephan, in ihrer Laudatio. Clair Hartmann promovierte im Bereich Embryonalentwicklung mit summa cum laude. Inzwischen liegt ihr Forschungsschwerpunkt auf dem Energiemetabolismus zirkulierender Immunzellen. Neben ihrer klinischen Tätigkeit und Facharztausbildung ist sie Principal Investigator (PI) in zwei DFG-Verbundvorhaben: dem Trauma-Sonderforschungsbereich und dem Graduiertenkolleg PULMOSENS.

•    Der Harald Rose-Preis wird im Wechsel an den Universitäten Ulm und Darmstadt für hervorragende Master- oder Doktorarbeiten mit Bezug zur Elektronenmikroskopie vergeben. Dabei handelt es sich um die Wirkungsstätten des Elektronenmikroskopie-Pioniers und geistigen Vaters „der Brille“ im Ulmer Supermikroskops SALVE, Professor Harald Rose. Der diesjährige Preisträger, Dr. Michael Mohn, hat alle Qualifikationsarbeiten mit großem Erfolg in der Materialwissenschaftlichen Elektronenmikroskopie der Zentralen Einrichtung Elektronenmikroskopie verfasst – und damit auch zum Gelingen des Großprojekts SALVE beigetragen. Ausgezeichnet wurde er nun für seine Doktorarbeit: Mohn analysierte mit dem SALVE-Mikroskop durchgeführte Experimente an Graphen, einer zweidimensionalen Einzellage von Kohlenstoffatomen. Dadurch erhielt er unerwartete Ergebnisse zur Bildentstehung von energiegefilterten Abbildungen. „Dr. Mohns Erkenntnisse haben die Fachwelt und auch Harald Rose in Erstaunen versetzt“, betonte Professorin Ute Kaiser, Leiterin der Materialwissenschaftlichen Elektronenmikroskopie, in ihrer Laudatio. Die CEOS GmbH hatte den mit jeweils 3000 Euro dotierten Preis 2015 anlässlich des 80. Geburtstags des Ulmer Seniorprofessors Harald Rose gestiftet.

Ökobilanz der Mensa und sprechende Bäume

•    Von der Forschung zur Lehre: In einer Übung zur Veranstaltung „Ökobilanzierung und nachhaltige Produktbewertung“ hat Jonas Johannisson gemeinsam mit Studierenden Mensa-Gerichte auf ihre potenziellen Umweltauswirkungen untersucht. Unterstützt vom Studierendenwerk konnte so ein Ranking der angebotenen Speisen nach der jeweiligen Ökobilanz erstellt werden. Für die Konzeption und Umsetzung dieser anwendungsorientierten Übung erhielt der Doktorand Johannisson beim Dies academicus den mit 4000 Euro dotierten Lehrpreis der Universität Ulm. Die Übung stieß bei Studierenden der Wirtschaftschemie und Nachhaltigen Unternehmensführung auf großes Interesse. Im Sinne des Service-Learnings profitierten Lernende und das Studierendenwerk gleichermaßen von den erstellten Ökobilanzen. „Ein Großteil der Umweltauswirkungen der Mensa-Gerichte sind auf Fleisch- und Milchprodukte zurückzuführen“, fasste der Wirtschaftschemiker Jonas Johannisson zusammen.

•    In einem Kooperationsprojekt der BUND-Hochschulgruppe mit dem Institut für Systematische Botanik und Ökologie um Professor Steven Jansen sowie dem Botanischen Garten bringt Cora Carmesin die Rotbuche Berti zum Reden. Für diesen „Talking Tree“ erhielt die Sprecherin der BUND-Hochschulgruppe den Ulmer Universitätssonderpreis für herausragendes studentisches Engagement (500 Euro). Und so funktioniert Berti: Am Baum und im Boden angebrachte Sensoren melden Daten zu Trockenheit, Luftfeuchtigkeit und Temperatur an eine öffentlich einsehbare Online-Plattform. Auf diese Weise soll ein besseres Verständnis des Wassertransports in Bäumen und letztlich des Klimawandels erreicht werden. Durch emotionales Lernen trägt der Talking Tree zur Umweltbildung an der Uni bei – gefördert wurde das Projekt von der MOMO-Stiftung. „Die Auswahlkommission Lehrpreis nennt den Talking Tree ein innovatives und vielversprechendes Projekt zur Wissenschaftskommunikation mit Nachhaltigkeitscharakter, das viel Potenzial für die Weiterentwicklung hat“, betonte die Vizepräsidentin für Lehre, Professorin Olga Pollatos. Sie zeichnete sowohl Cora Carmesin als auch Jonas Johannisson mit dem jeweiligen Preis aus.

Universitätspräsident Weber dankte abschließend allen Uni-Mitgliedern, die den digitalen Dies academicus ermöglicht haben. Dennoch hofft er, künftige Festveranstaltungen wieder in Präsenz mit allen interessierten Uni-Mitgliedern sowie Freundinnen und Freunden der Universität Ulm feiern zu können.

Der virtuelle Dies academicus ist auf der Webseite und dem YouTube-Kanal der Universität Ulm abrufbar.

Text und Medienkontakt: Annika Bingmann